Grundlagen und Ziele der pädagogischen Arbeit

Grundlagen und Ziele der pädagogischen Arbeit

Entwicklungsbedingungen und -möglichkeiten für unsere Kinder

Als einmaliger, einzigartiger und unverwechselbarer Persönlichkeit gebührt dem Kind Akzeptanz und Respekt wie einem Erwachsenen. Bei der Verwirklichung seiner Identität braucht es in seiner Lebenswelt Anregung, Unterstützung und Nähe von Erziehenden, aber auch die Auseinandersetzung mit ihnen. Diese Auffassung basiert auf unserem christlichen Menschenbild, nach dem die Würde des Menschen letztlich in der Zuneigung Gottes gründet. Der Glaube verleiht dieser Beziehung höchste Autorität. Daraus wird verbindlich, daß niemand das Recht hat, über Menschen zu verfügen. In der Botschaft Jesu hat das Kind eine einzigartige Aufwertung erfahren. Er stellte es in die Mitte der Jünger und bestimmte es zum maßgeblichen Vorbild für Aufrichtigkeit und vertrauensvolle Offenheit Gott gegenüber. Dadurch hat das Kind im christlichen Verständnis einen besonderen Stellenwert, der in unserer Erziehung zur Geltung kommen soll. (Vergl.: Matthäus 18, 1-5)

In unserem Haus für Kinder stellen wir das Kind in den Mittelpunkt unseres Tuns. Dies geschiet vor dem Hintergrund seines sozialen Umfeldes.

Nach DIETER HÖLTERSHINKEN ist die Entwicklung von Kindern eng geknüpft an die Erfüllung von elementaren Grundbedürfnissen:
  • nach Wärme und Schutz, Bewegung und Ruhe,
  • nach verlässlichen und stabilen Beziehungen,
  • freundlicher und ruhiger Atmosphäre,
  • nach Anerkennung als Junge oder Mädchen,
  • behindertes oder nichtbehindertes Kind,
  • ausländisches oder deutsches Kind,
  • hochbegabtes oder weniger begabtes Kind,
  • nach Aktion und Kreativität in der Auseinandersetzung mit der Welt, in der es lebt
  • nach Sinngebung, Fragen des Glaubens, Fragen des Lebens.

[DIETER HÖLTERSHINKEN: Tageseinrichtungen - an den Bedürfnissen von Familien und Kindern orientierte Lebensräume, Dortmund 1998]

Die Berücksichtigung der Aspekte der Offenheit in der Pädagogik MATER M. SCHÖRLs helfen uns bei der Erfüllung dieser Grundbedürfnisse: Offenheit für das einzelne Kind, für sein individuelles Sein, mit Stärken und Defiziten, für seine Herkunft und sein Umfeld, für seine Energie und die Interessen, die daraus erwachsen, für seinen Entwicklungsstand und seine Beziehungen.

Wir als Erziehende wollen das Kind auf diesem Hintergrund im Lern- und Entwicklungsprozess unterstützen. Wir sehen unsere Aufgabe darin, die Einrichtung nach den Bedürfnissen der Kinder zu gestalten, die Kinder in den Umgang mit Materialien einzuführen, uns aber zurückzuhalten, sobald die Kinder selbst tätig geworden sind, getreu dem Motto MARIA MONTESSORIs: "Hilf mir, es selbst zu tun".

Wir möchten, dass alle Kinder ihre Persönlichkeiten verwirklichen können, neuen, unbekannten Anforderungen gewachsen sind, eigenständig Entscheidungen treffen können und Techniken beherrschen, die es ihnen möglich machen, Informationen zu gewinnen. Sie sollen Kommunikationsfähigkeiten entwickeln und zwischenmenschliche Begegnungen mitgestalten können, Freude am Schönen, Musischen und Ästhetischen haben, Gefühle angemessen äußern können.

Soziale Kontakte

Gruppen

In unserem Haus befinden sich vier Stammgruppen, (orange, blaue, rote und grüne Gruppe), denen die Fachkräfte zugeordnet sind. Schon während der Kennenlernphase und Eingewöhnungszeit lernen die Kinder ihren Gruppenraum, ihre Erzieherinnen und die übrigen Gruppenkinder kennen. Diese Gruppe soll für die Kinder ein Zuhause werden, hier sollen sie sich geliebt, geborgen und sicher fühlen.

Altersmischung

Wie in einer Familie leben bei uns Kinder verschiedener Alters- und Entwicklungsstufen in einer Gruppe zusammen. Hier gibt es kleine Kinder, manchmal auch unter drei Jahren, die vorab noch nie von ihren Eltern getrennt waren, Kinder, die keine Geschwister haben und das Leben mit anderen erst lernen müssen, Kinder, die stark und selbständig sind und andere unterstützen. Große Schulkinder, die von kleineren für ihr Können bewundert werden, und Kinder, die sich nicht so gut entwickeln konnten oder gar Behinderungen haben, finden hier ebenfalls Raum. Geschwisterlich lernen die Kleinen durch das Vorbild und die Hilfe der Großen. Ältere Kinder leiten jüngere an und nehmen Rücksicht. Behinderte Kinder werden in der Gruppe angenommen und akzeptiert. Die nichtbehinderten Kinder müssen Hilfen geben, Rücksicht nehmen und sich mit Behinderungen auseinandersetzen.

Erzieherinnen als Vorbild

Die Erzieherinnen sind für die Kinder Vorbild und wichtige Bezugspersonen. Über die gefühlsmäßige Beziehung und Zuneigung zu diesen Bezugspersonen und über die Identifikation mit ihnen übernimmt das Kind deren Haltungen und Einstellungen. Die Erzieherinnen zeigen den Kindern, dass man sich auf sie verlassen kann, geben Sicherheit, zeigen Zuneigung, Verständnis und Einfühlungsvermögen.

In den gruppenzusammenfassenden Frühdiensten, Freispielangeboten, Mittagsbetreuungen, Schlafbetreuungen, Schularbeitenhilfen und pädagogischen Angeboten am Nachmittag entstehen Beziehungen zwischen den Kindern und Erzieherinnen der Einrichtung. So werden die Kinder mit allen Erzieherinnen vertraut.

Regeln

Durch Besuche in anderen Gruppen zu festgelegten Zeiten können Kinder Kontakte zu anderen Kindern aufnehmen und auch unter ihnen Freunde gewinnen. Die Kinder entscheiden selbständig, mit wem oder wo sie spielen möchten. Dabei gelten Regeln, z.B. die, dass Spielmaterial pfleglich zu behandeln, dass es wieder an Ort und Stelle zurückgeräumt werden muss und dass in bestimmten Aktionsbereichen begrenzte Teilnehmerzahlen gelten. Die Kinder müssen dann ihre Bedürfnise so lange zurückstellen, bis ein Platz oder eine Spielmöglichkeit frei geworden ist. Verlassen die Kinder die Gruppe, müssen sie sich bei der Erzieherin abmelden. Die kleineren Kinder sollen wissen, welches Spielmaterial Schulkindern vorbehalten bleibt.

Konfliktbewältigung

In Konfliktsituationen werden die Kinder dazu angehalten, selbst Lösungsmöglichkeiten zu finden, die Erzieherin leistet nach Möglichkeit nur Hilfestellung.

Kinderkonferenz

Die Einführung von Kinderkonferenzen im Schulkindbereich gibt den Kindern die Möglichkeit, im Gruppengespräch ihre Interessen vorzutragen, Bündnispartner zu finden und auch gemeinsam aufgestellte Regeln zu hinterfragen. Die anschließende Konferenzentscheidung muß von allen akzeptiert werden, sie kam selbstbestimmt und demokratisch zustande und soll beachtet werden.

Die altersgemischte Gruppe als Erfahrungsraum

Begleitung der Entwicklung der Kinder

Das Leben in der altersgemischten Gruppe kann eine notwendige Antwort auf die heutigen Lebensverhältnisse von Kindern sein. Viele Kinder wachsen heute ohne Geschwister auf. Die Zunahme von Einelternfamilien und die Zunahme der Berufstätigkeit beider Eltern machen deutlich, dass für die Kinder ein Ort da sein muss, der sowohl den Lebenssituationen, Interessen und Bedürfnissen der Eltern als auch und vor allem den Ansprüchen, Lebenserfordernissen, Interessen und Bedürfnissen der Kinder gerecht wird. Ein solcher Ort ist die Kindertagesstätte. Kinder können in der altersgemischten Gruppe in einem langen Zeitraum von bis zu 10 Jahren in einer für sie vertrauten und verlässlichen Umgebung aufwachsen. Vor dem Hintergrund vertrauter Personen und einer vertrauten Umwelt können sie besser Anforderungen bewältigen, vor die sie von außen gestellt sind. Die Erzieherin verfolgt und begleitet die Entwicklung des Kindes über diese gesamte Zeit und kann dadurch wichtige Impulse für seine weitere Entwicklung geben.

So fallen Übergänge zur Schule oder von einer Schulform zur anderen leichter, wenn damit nicht gleichzeitig ein Einrichtungs- und Bezugspersonenwechsel verbunden ist oder die notwendige Betreuung sogar ganz in Frage steht. Diese Voraussetzungen geben Sicherheit und Geborgenheit. Sie sind Grundlage neuer Erfahrungen für die eigene Entwicklung zur Selbständigkeit und Eigenverantwortung. Gerade für Einzelkinder sind soziale Erfahrungen mit Jüngeren oder Älteren genauso wichtig wie die mit Gleichaltrigen. Sie erfahren Anerkennung, sind Vorbilder für Jüngere und können sich an Älteren orientieren. Diese Erfahrungen, die andere Kinder mit ihren Geschwistern machen, können nun in der Einrichtung gemacht werden.

Wir versuchen durch Beobachtung und Situationsanalyse, die Bedürfnisse des Kleinkindes, des Kindergartenkindes, des jungen und älteren Schulkindes entwicklungsgerecht zu berücksichtigen. Besonders für Kinder unter drei Jahren ist verlässliche Kontinuität in der besonderen persönlichen Zuwendung unerlässlich. Die Berücksichtigung der spezifischen Gesichtspunkte der verschiedenen Altersgruppen ist in den KiTa-Alltag eingebunden. Kinder lernen aber auch von Gleichaltrigen für ihre Entwicklung. Daher bieten wir auch gruppenübergreifend Aktivitäten in altershomogenen Kleingruppen an (z. B. Projektarbeit -PA- im letzten Jahr vor der Einschulung).

In der Gestaltung der Räume, des Spielmaterials und des Außengeländes tragen wir den unterschiedlichen Bedürfnissen Rechnung. So sind zum Beispiel eigene Rückzugs- und Ruhemöglichkeiten für die Kleinen genauso eingerichtet, wie auch Schulaufgabenräume für die Schulkinder.

Integrative Förderung in verschiedenen Entwicklungsbereichen

Die pädagogischen Ziele gelten auch für die gemeinsame Erziehung behinderter und nicht behinderter Kinder wie auch für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Die gemeinsame Erziehung von Kindern unterschiedlicher Entwicklungsbereiche bietet für die Entwicklung wichtige Empulse und ebenso wichtige gemeinsame Erfahrungen. Der Umgang miteinander wird mit der Zeit als selbstverständlich erlebt.

Kinder in verschiedenen Entwicklungsbereichen fordern gleichermaßen eine vielfältige und anregende Umgebung, in der sie sich gemeinsam ausprobieren können.

Auch behinderte Kinder sollen ihre Entwicklung in die eigene Hand nehmen und selbst bestimmen, wann sie den nächsten Entwicklungsschritt machen. Wir wollen auch die Bedürfnisse des einzelnen behinderten Kindes erkennen, es annehmen und in seiner Entwicklung - gemeinsam mit Eltern und anderen Fachkräften - begleiten. Wie jede zwischenmenschliche Beziehung sind auch die von behinderten und nichtbehinderten Kindern sehr wertvoll. Auch sie wetteifern miteinander und geben sich gegenseitig Lernimpulse. So haben gemeinsame Spielprozesse in der integrativen Erziehung zentralen Stellenwert. Alle Kinder unserer Einrichtung sind gefordert, ihre Bedürfnisse und Fähigkeiten gleichberechtigt einzubringen, Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren, aber auch Misserfolge zu ertragen.

Die Zusammenarbeit mit den Eltern dieser Kinder fußt auf grundlegender Information über die besonderen Lebensbedingungen dieser Familien, auch über ärztliche und therapeutische Behandlungen, die die Entwicklung der Kinder beeinflussen. Durch unsere Zusammenarbeit mit anderen Fachkräften, durch Teilnahme an Arbeitskreisen und gemeinsame Reflexion im Team werden weitere Grundlagen für eine qualifizierte, integrative Erziehung geschaffen. Für uns ist es selbstverständlich, mit Eltern und allen anderen Verantwortlichen zusammenzuarbeiten und Förder- und Stützmaßnahmen mit ihnen abzusprechen. Zur Entlastung der Familien werden auch therapeutische Maßnahmen von externen Fachkräften in unserem Haus durchgeführt.