Geleitwort

Geleitwort

Matthäus 18, 1-5

In jener Stunde kamen die Jünger zu Jesus und fragten: "Wer ist im Himmelreich der Größte?" Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sagte: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte. Und wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf.

Sehr geehrte Eltern der Laurentius-Gemeinde und des Anna-Hospitals,

die langen und bunten Ausführungen über unsere Kindertagesstätte sollen nicht wie ein "Warenangebot" verstanden werden. Das vorausgeschickte Bibelwort ist dabei auch nicht "Verpackung der Ware". (Gerade hier gibt die später in diesem Heft angegebene Deutung der Bibelstelle, die man als sogenannte "Wirkungsgeschichte" nicht mit der ursprünglichen Aussageintention verwechseln darf, einen Hinweis darauf, dass es sich um keinen Warenkatalog handelt!)

Was denn bietet diese Seite an? Lassen sie es mich, sehr geehrte Eltern, durch eine alte Legende erklären:

Ein junger Mann hatte einen Traum. Hinter der Ladentheke sah er einen Engel. Hastig fragte er ihn: "Was verkaufen Sie, mein Herr?". Der Engel gab ihm freundlich zur Antwort: "Alles, was sie wollen". Der junge Mann sagte: "Dann hätte ich gerne: Eine Frau, die mich immer versteht und auf die ich mich immer verlassen kann, eine glückliche Ehe, die bis zum Lebensende glücklich bleibt, gute Freunde, die uns auf unserem Lebensweg begleiten, Kinder, die sich gut entwickeln und an denen wir unsere Freude haben und, und ..."

Da fiel der Engel ihm ins Wort und sagte: "Entschuldigen sie, junger Mann, sie haben mich falsch verstanden. Wir verkaufen keine Früchte hier, wir verkaufen nur den Samen."

Eltern, Erzieherinnen und alle sonst Beteiligten müssen sich für den Samen zunächst selbst als Boden hergeben. Es ist eine alte Wahrheit, dass Erziehung am glaubwürdigsten ist und am ehesten gelingt, wenn alle Beteiligen am Erziehungebemühen in ihren Grundüberzeugungen übereinstimmen. Bei uns Erwachsenen muss der Samen spätestens bei der Begleitung unserer Kinder aufgehen. Wo das geschieht, da erweist sich die Wahrheit des Satzes: "Worte belehren, Taten ziehen an".

Unsere Kintertagesstätte ist eine Einrichtung der Kirche. Sie stellt somit die 'Gretchenfrage': "Wie hältst du es mit Gott?". Wir können diese Frage bei unserem Erziehungsangebot nicht ausklammern.

Ein großer europäischer Kongress in Wien im zu Ende gehenden Jahr war von vielen Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen besucht. Er beschäftigte sich mit der Bedeutung Gottes und sonstiger Weltanschauungen für das Menschenbild und damit für die Erziehung. Unter großer Zustimmung sagte dabei Prof. Rainer Preuls, Kiel, dass "Religion nur als Prüfstein tatsächlich gelebter Religion sinnvoll ist, vermittelt durch das Medium der Kommunikation mit Personen, die etwas meinen und wollen".

Mag solch geartetem Bemühen in unserer Kindertagesstätte im Zusammenklang aller Beteiligten der Entwicklung unserer Kinder Gottes Segen geschenkt sein.

Ihr Pastor
Franz Josef Hoffmann