Ein Tagesablauf

Ein Tagesablauf

Wenn Adam und Eva - 5 1/2 Jahre alt - schreiben könnten und ihren Tagesablauf wie ein geübter Schriftsteller aufschreiben könnten, würde vielleicht der folgende Text auf dem Papier stehen:

Ich bin der Adam und gestern habe ich mit Eva abgesprochen, daß wir heute gemeinsam in der Puppenecke spielen. Ich muß mich beeilen, damit Mama mich pünktlich zum Kindergarten bringt, sonst ist die Puppenecke besetzt.

8.15 Uhr- Ankunft im Kindergarten:
So ein Mist, Eva ist noch nicht da und klar, dachte ich mir's doch, die kleinen Flummis sind wieder in der Puppenecke. Das wird wieder ein Chaos und wir müssen dann wieder beim Aufräumen helfen. Na, vielleicht können wir uns irgendwo verdrücken! Was mach ich bloß, bis Eva kommt? Frau X bietet mir an, mit mir zu spielen, aber ich warte lieber. Frau X sagt "okay" und ich setz mich auf die Couch und warte.

8.30 Uhr:
Gott sei Dank, Eva kommt. Jetzt können wir gemeinsam überlegen, was wir machen. Nach langem Hin und Her beschließen wir eine Bude zu bauen und holen uns Decken, Tücher und Wäscheklammern. Klar, die Kleinen in der Puppenecke brauchen natürlich jetzt auch die Klamotten. Wollen mal sehen, wer stärker ist! Eva und ich zerren an den Decken. Frau X schaut bedächtigt zu. Wahrscheinlich überlegt sie jetzt, ob sie aufstehen muß, um unseren Streit zu schlichten. Meistens können wir das gut alleine, aber heute ist ein Tag, an dem wir nicht nachgeben werden. Aber Eva ist schon wieder willig. Na gut, teilen wir den Deckenberg mit den Kleinen.

9.00 Uhr:
Irgendwie klappt heute gar nichts. Die Bude bricht immer wieder zusammen. Frau X kommt, um uns zu helfen, aber sie macht es nicht so, wie wir es wollen. Erzieherinnen sind manchmal zu nix zu gebrauchen.

9.30 Uhr:
Chaos! Decken, Klammern, Kissen, Geschirr, Bücher , alles liegt wie Kraut und Rüben durcheinander. Logisch, jetzt kommt auch schon Frau X und sagt, es sei wohl besser alles einzuräumen. Die Idee kann auch nur von Erwachsenen kommen. Aber halt, sie hat ein neues Angebot, die Turnhalle ist frei, wir sollen uns dort erst einmal ein wenig austoben. Gute Idee. - Natürlich muß die Sache einen Haken haben, wir sollen erst frühstücken gehen! Auch gut! Ist ja schon spät!

9.45 Uhr:
Wir waren flott, das Chaos ist beseitigt und Eva und ich haben uns zwei Plätze nebeneinander am Frühstückstisch ergattert. Wir schwatzen ein wenig mit den Anderen am Tisch. Auwei - Frühstücksbrot mit Nutella. Gleich sagt bestimmt einer was, denn Süßes, Schokolade und Kekse sind kein gesundes Frühstück, sagt Frau X. Ich bin ja anderer Meinung, aber mich fragt ja keiner.

10.15 Uhr:
Da wir die Letzten am Frühstückstisch sind, bittet Frau X uns den ganzen Kram auch noch aufzuräumen. Tisch abräumen, Geschirr wegbringen. Ich wußte, heute ist ein doofer Tag.

10.20 Uhr:
Naja, alles geschafft. Lob von Frau X bekommen. Die Turnhalle hat sie auch freigehalten. Dann los. Eva macht den Vorschlag das Turnzeug anzuziehen. Auch gut, können wir uns besser bewegen. Jetzt dauert es nur wieder ewig bis Eva die tausend Knöpfe von ihrer Bluse auf hat. Mädchenkleider sind blöd.

11.30 Uhr:
Wir haben die ganze Zeit super gespielt! Einzelheiten sind nicht so wichtig. Es war klasse und wir sind völlig k.o. und naßgeschwitzt.
Oh, nein, wir müssen aufräumen. "Alle räumen auf", wie ich den Satz hasse.

11.45 Uhr:
Reden wir nicht darüber - aufräumen ist und bleibt das Schlimmste in diesem Kindergarten. Vor allem, wenn wir Großen den kleinen Flummis immer helfen sollen. Heute dauert es wieder ewig bis alles fertig ist. Und die Krönung:"Lagebesprechung für für alle Kinder der Gruppe." Wie kann das mit dem gemeinsamen Aufräumen in den nächsten Tagen besser klappen? Ich hätte schon eine Idee: Die Erzieherinnen könnten ja aufräumen!!!

12.15 Uhr:
Wie immer, gemeinsamer Schlußkreis mit Schlußlied und Gebet. Naja, dem lieben Gott"Danke" sagen, kann man heute nur zur Hälfte, schließlich gab es Gutes und Mieses. Aber heute nachmittag geht es ja weiter, vielleicht überwiegt dann das Gute. Wir wollen nämlich nachher Waffeln backen.
Wenn die Schulkinder aus der Schule da sind, müssen sie noch Hausaufgaben machen. Hausaufgaben sind sehr wichtig, sagt Frau X. Wir sollen die Großen dann nicht stören. Aber danach starten wir gemeinsam. Die Großen können schon Eier aufschlagen. Bei mir landen die Eierschalen im Teig, aber irgendwann bin ich auch groß, dann zeige ich den Kleinen, wie es geht.